#ungebunden

Neu verbreiten wir hier (sowie via Twitter und Facebook) sporadisch unter dem Hashtag #ungebunden (im Sinne von unabhängigen losen Seiten) auch Artikel und Meldungen, die keinen unmittelbaren Bezug zu Katalonien haben. Es geht darum, Menschen, die sich mit Katalonien solidarisieren, gemeinsam politisch thematisch übergreifender zu vernetzen. Im Sinne von „Schaffen wir zwei, drei, viele Katalonien“.


#ungebunden - 15. Januar 2019

Warum ist die Banlieue die Avantgarde? Und wer wird der nächste Präsident? Ein Gespräch mit den drei französischen Links­intellektuellen Didier Eribon, Edouard Louis und Geoffroy de Lagasnerie über die Proteste der «gilets jaunes» – Teil 2.



#ungebunden - 14. Januar 2019

"Vorurteile sind so lange wahr, wie sie nicht durch Erfahrung entkräftet werden. In der Welt von Sebastian Kurz gibt es keine prekären Hilfsjobs, keine Menschen, die zwölf oder mehr Stunden für einen Witzlohn arbeiten. Die strukturellen Ursachen der Armut übersehen sie konsequent: die Folgen einer Wirtschaftspolitik, die für immer mehr Menschen immer weniger – und vor allem immer schlechter ­bezahlte – Arbeit generiert."
Der Kolumnist MIlo Rau über Armut und Arbeit, Sebastian Kurz und Karl Marx im Tagesanzeiger vom 13. Januar 2019: "Sind die Armen faul?"



#ungebunden - 13. Januar 2019

In Frankreich reissen die Proteste der Gelbwesten nicht ab. Die Republik hat Didier Eribon, Edouard Louis und Geoffroy de Lagasnerie befragt: Was steckt dahinter? Und wohin führt das? Ein Gespräch mit den drei Linksintellektuellen.
"Diese Revolte ist in ihrem Kern nicht reaktionär. Befragungen haben ergeben, dass eine Mehrheit der Protestierenden sich selber als eher links oder auch als links­extrem definiert, ein grosser Anteil bezeichnet sich als apolitisch, ein drittes Segment ist eher rechts oder auch rechts­extrem. Da kann man schwer von einer reaktionären Revolte sprechen, nur die Medien tun dies ohne Unterlass."
«Die Herrschenden haben Angst – und das ist wundervoll»


#ungebunden - 28. Dezember 2018

Harte Zeiten für Geniesser

Sex bitte nur auf Absprache und Zucker lieber gar nicht mehr: Das Privatleben wird reglementiert wie nie - von Johannes Richardt aus NZZ vom 28. Dezember 2018

 

Der Genuss ist ein Politikum – und er war es immer schon: Zu allen Zeiten haben politische oder religiöse Autoritäten versucht, unsere Triebe, Neigungen, Bedürfnisse und Vorlieben in ihnen gefällige Richtungen zu lenken. Sei es durch mehr oder weniger offenen Zwang, sei es durch moralische Appelle oder Manipulation. Niemals waren die Fragen, welche Nahrungsmittel, Getränke oder bewusstseinsverändernden Substanzen wir unseren Körpern zuführen, welchen (Glücks-)Spielen wir nachgehen oder wie und mit wem wir Sex haben, reine Privatangelegenheiten. Bemerkenswert und neu ist jedoch das Ausmass, in dem Genussfragen heute politisiert und verrechtlicht werden.

Vor dem Hintergrund einer immer akuteren politischen Führungs- und Orientierungskrise setzen die Eliten in der westlichen Welt auf ein zunehmend kleinteiligeres Mikromanagement von Gesellschaft, Öffentlichkeit und Wirtschaft. Mit Verboten, Regulierungen, Richtlinien, Steuern, bewusstseinsbildenden Massnahmen und neuerdings auch mit den Psychotricks des sogenannten Nudging mischt sich der Staat in die private Lebensführung der Bürger, die öffentliche Debatte und unternehmerisches Handeln ein.

An die Stelle eines Streits um grundlegende politische und ökonomische Weichenstellungen sind die technokratische Steuerung privater Verhaltensweisen und eine Remoralisierung von Genuss- und Lebensstilfragen getreten. Allerhand paternalistische Massnahmen für ein «gesundes», «bewusstes» oder «nachhaltiges» Leben werden heute vorangetrieben: Von nationalen Reduktionsstrategien für Salz, Zucker und Fett in Lebensmitteln über öffentliche Rauchverbote und illiberale Sexualstrafrechtsreformen bis hin zu bevormundenden Glücksspielregulierungen reicht die Palette.

Gefördert wird diese Politik längst nicht nur, aber vor allem von Kreisen, die sich selbst als progressiv begreifen. Tatsächlich sind solche Massnahmen das Gegenteil von fortschrittlich. Sie erinnern an ein längst überwunden geglaubtes konservativ-autoritäres Denken, gegen das z. B. viele 68er, die kürzlich ihr 50-Jahr-Jubiläum gefeiert haben, mit Erfolg zu Felde gezogen waren.

Vom optimistischen Geist der Befreiung der 1960er Jahre findet man inzwischen kaum noch etwas. Heute herrscht eine Kultur der Angst und des Misstrauens vor, in der gerade ein Zuviel an Freiheit als problematisch gilt. So wurde auch der Genuss unter einen Risikovorbehalt gestellt: Sex, ja, aber bitte nur «safe» und idealerweise nach vorherigen «vertraglichen» Abmachungen, Drogen nur mit ärztlichem Rezept aus der Apotheke, Essen nur mit reduziertem Fett-, Zucker- oder Kohlenhydratgehalt, bloss kein Fleisch, und Alkohol selbstverständlich nur «bewusst geniessen».

Der degradierte Bürger

Spontane und unkontrollierte menschliche Leidenschaft und Bedürfnisbefriedigung gelten einer Politik, die Bürger nicht mehr als Gestalter, sondern vor allem als Störer, Verschmutzer oder Gefährder sieht, als gefährlich. Aus dieser trüben Sicht auf den Bürger leitet sich der politische Anspruch ab, in die persönliche Lebensführung der Menschen hineinzuregieren.

Ironischerweise untergräbt so ausgerechnet jenes politische Führungspersonal, das sich zurzeit als letzte Wacht gegen den Populistensturm zu inszenieren versucht, die moralischen und kulturellen Voraussetzungen für das Funktionieren einer offenen Gesellschaft. Denn wer als Politiker den Leuten ständig signalisiert, dass er sie für zu blöd, schwach und vorurteilsbeladen hält, um mit den Herausforderungen selbst der banalsten Fragen der persönlichen Lebensführung klarzukommen, darf sich nicht wundern, wenn die Menschen ihm irgendwann die kalte Schulter zeigen. Die gegenwärtige Veränderung der politischen Landschaft ist auch eine kulturelle Revolte gegen diese abgehobene Haltung, die Bürger – gerade die sogenannten «kleinen Leute» – nicht als Demos ernst zu nehmen, sondern zur therapiebedürftigen Verfügungsmasse für «wohlmeinende» Sozialtechniken aller Art zu degradieren.

So werden grundlegende, auf das Denken der Aufklärung zurückgehende Grenzen zwischen der privaten und der öffentlichen Sphäre verwischt – zwischen dem, was im allgemeinen Interesse liegt und somit offen für politische Konflikte ist, und dem, was die persönliche Lebensführung betrifft und somit den autonomen Entscheidungen der einzelnen Gesellschaftsmitglieder überlassen sein sollte.

Auf der Makroebene haben die gewählten Volksvertreter vielerorts einen Grossteil ihrer Gestaltungsmacht an demokratisch nicht oder nur schwach legitimierte supranationale Institutionen (von der Europäischen Union bis zur Weltgesundheitsorganisation) abgegeben, die staatliches Handeln bis ins kleinste Detail an verpflichtende Regelwerke binden. Und auf der Mikroebene versuchen jene selbstbeschränkten Volksvertreter nun mit ihren Verbündeten in Bürokratie, Wissenschaft, Medien und Zivilgesellschaft, den Geist dieser technokratisch-regulatorischen Ordnung auch innerhalb der Gesellschaft, im zwischenmenschlichen Miteinander, zu implementieren.

Abgrenzung von der Chipstüte

Dass dieser Politikstil heute als kaum noch hinterfragter politischer Common Sense gilt, hat auch damit zu tun, dass asketische, auf Verzicht und Reinheit zielende Werte dem Zeitgeist entsprechen. Dabei dient ein korrekt gemässigter Lebensstil auch der sozialen Distinktion gegenüber einer geringgeschätzten «Unterschicht» mit Chipstüten und Tabakdosen auf dem Fliesentisch. Aus dieser Haltung heraus wird negiert, dass jeder Mensch das gleiche Recht darauf hat, durch seine Art zu geniessen die eigene Persönlichkeit auszudrücken. An die Stelle des unbeschwerten Auslebens individueller Autonomie treten die Medikalisierung und die staatliche Kanalisierung unserer Leidenschaften.

Die Etymologie des Wortes Autonomie – «autos» (selbst) und «nomos» (Regel oder Gesetz) – vermittelt die Bedeutung der Selbstbestimmung. Es geht darum, dass Menschen ihr Leben entsprechend selbstgewählten Richtlinien führen können. Dies schliesst selbstverständlich Genussfragen mit ein, weil auch diese uns im innersten Kern als Kulturwesen und einzigartige Individuen definieren. Schliesslich handelt es sich beim Fühlen, Schmecken und Riechen um die ersten Sinneserfahrungen des Menschen, aus denen sich dann im Laufe des Lebens in Interaktion mit der Gesellschaft die Fähigkeit zur Differenzierung und Beurteilung des Geschmacks entwickelt.

Die Regulierung des Genusses ist sowohl ein Angriff auf unser sinnliches Erleben und geselliges Miteinander als auch auf unsere moralische Urteilskraft. Denn moralische Autonomie verlangt von den Menschen, sie selbst zu sein, nach ihren Werten, Neigungen und ihrem Geschmack zu handeln und sich frei zu fühlen, einen Lebensstil anzunehmen, der es ihnen erlaubt, ihre Persönlichkeit auszudrücken. Um Autonomie zu kultivieren, bedarf es Entscheidungsfreiheit. Denn nur durch die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Optionen frei zu wählen, zu experimentieren und nicht zuletzt auch Fehler zu machen und dann hoffentlich aus ihnen zu lernen, entwickelt sich unsere Fähigkeit, Urteile zu fällen und entsprechend zu leben.

Wer es mit Freiheit und Demokratie ernst meint, muss Freiräume für selbstbestimmten Genuss nicht nur zähneknirschend tolerieren, sondern sie als Ausdruck einer zivilisierten Gesellschaft verteidigen und sich fragen, wie diese in Zukunft erweitert werden können. Momentan schwingt das Pendel genau in die andere Richtung. Leider.


Johannes Richardt ist Chefredaktor des Magazins «Novo». Er hat kürzlich zusammen mit Christoph Lövenich den Sammelband «Geniessen verboten» (Novo-Argumente-Verlag, 2018) herausgegeben. Beim vorliegenden Artikel handelt es sich um eine gekürzte Version seines dort erschienenen Beitrags.







#ungebunden - 27. Dezember 2018

Ein sehr ungewöhnlicher und (im doppelten Sinn des Wortes) merkwürdiger Artikel über ein bedeutendes und vermutlich vielen unbekanntes Kapitel der Kapitalismusgeschichte in Amerika und die Ideologie der Anarchokapitalistin Ayn Rand. Eine kapitalistische Weihnachtsgeschichte von Constantin Seibt 






#ungebunden - 20. Dezember 2018

Lasst uns also über Gegenmacht und Doppelmacht sprechen. Negri zeigt hier eine merkwürdige Mischung aus Optimismus und Pessimismus. Einerseits idealisiert er die aktuelle politische Situation, indem er sie als „Doppelmacht“ bezeichnet. Doch das, was historisch mit Doppelmacht bezeichnet wurde, ist eine Situation, in der die Machtfrage offen gestellt war – das ist (leider) in Frankreich heute noch nicht der Fall. Für die Entwicklung einer Doppelmachtsituation braucht es Organe der Selbstorganisation der kämpfenden Massen, die die bestehende Herrschaft direkt in Frage stellen. Zugleich drückt Negri die tiefe Skepsis aus, die Doppelmachtsituation tatsächlich zu gewinnen. So wird diese Diagnose zur doppelseitigen Medaille einer Strategielosigkeit, die die Bewegung „wie sie ist“ idealisiert, weil sie aufgegeben hat, die Instrumente zu schaffen, die für den Sieg tatsächlich nötig sind. Multitude, Doppelmacht und Revolution – zu Antonio Negris „Französischem Aufstand“



#ungebunden - 13. Dezember 2018

Doublefeature zum Thema "gilets jaunes"

"Ein plebejischer Auftsand" titelt Deutschlandfunk Kultur ein Interview mit Raul Zelik.
"Solche Aufstände bringen es mit sich, dass sie widersprüchlich sind. Es ist vieles drin, das nach vorne weist. Aber es gibt natürlich auch Dinge, die nach hinten weisen, die reaktionär sind.“
""... dass Gesellschaften sich nur verändern, wenn tatsächlich auch, ja, mit einer gewissen Wut und Vehemenz Forderungen unvermittelt auf die Straße getragen werden. Also die Vorstellung, man könnte alle Dinge einfach so hineintragen in den parlamentarischen Apparat und dann wird das ausgehandelt und dann verbessert sich alles und dann kommen Reformen, ich glaube, das ist naiv - es stimmt auch nicht."


Daniel Binswanger mit seinem Artikel Aufstand der Peripherie  auf republik.ch. Frankreich im Ausnahmezustand: Kann Präsident Macron die Situation beruhigen? Was bedeuten die Ausschreitungen für das Land – und für Europa?







#ungebunden - 12. Dezember 2018

Adrian Lobe veröffentlichte am 11.12.18 den Artikel Übersetzungsautomaten statt Sprachbarrieren auf medienwoche.ch.
"Dank den Fortschritten künstlicher Intelligenz können Medienbeiträge ohne grossen Aufwand in andere Sprachen übersetzt werden. So wird der Medienmarkt auch auf der Ebene der Inhalte ein globaler. Die weitgehend automatisierten Prozesse erfordern eine eigene Übersetzungsethik."


#ungebunden - 11. Dezember 2018

Mit der Überschrift »Unsere Stories im echten Leben finden« eine linke Partei Wählerinnen von Sozialdemokraten wie auch Rechtsextremen zieht. Ihr Vorsitzender erklärt, wie das geht.











 

#ungebunden - 6. Dezember 2018

Was aus den Gelbwesten werden wird, ist zur Stunde unklar. An den Vorurteilen gegen sie zeigen sich die soziale Gewalt und die Verächtlichkeit von Frankreichs Bürgertum. Édouard Louis sagt "Wer sie beleidigt, beleidigt meinen Vater" am 5.12.18 in der Zeit

#ungebunden - 30. November 2018

Inwiefern untergräbt der Kapitalismus seine eigenen Existenzbedingungen? Und wie kann man dem Rechtsruck wirksam entgegentreten?
Nancy Fraser zählt zu den bedeutendsten Philosophinnen der Gegenwart. Theorie und Engagement gehören für sie zusammen. Als Antwort auf den weltweiten Rechtsruck plädiert sie für einen progressiven Populismus. „Wir brauchen eine Politik der Spaltung“





#ungebunden - 24. Oktober 2018

Nach zwanzig Jahren tritt Paul Rechsteiner als oberster Gewerkschafter der Schweiz zurück. Ein Gespräch über Macht und Motivation und die Erfolgsgeschichte der Schweiz in einem schwierigen europäischen Umfeld. Ein Interview von Urs Bruderer und Christof Moser unter dem Titel «Das Soziale darf man nicht den Populisten überlassen» auf republik.ch
"Mit der Finanzkrise wurde das neoliberale Programm in der EU noch verstärkt, wie das [der Ökonom und ehemalige griechische Finanzminister] Yanis Varoufakis in seinem Buch beschreibt: Abbau sozialer Errungenschaften als Folge der Krise, die Durchsetzung eines neoliberalen Programms, und alles der Demokratie entzogen. Diese negative Entwicklung diskreditiert das EU-Modell zum Teil bis heute."


#ungebunden - 20. Oktober 2018

"Donald Trump zuzuschauen, ihn anzusehen, wie er seine Regierung unter dem Gelächter des Publikums vor der Uno als eine der erfolgreichsten aller Zeiten lobt, Journalisten als Feinde des amerikanischen Volkes verhöhnt oder mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un den angeblich absolut perfekten Deal aushandelt oder mal eben mit der Schlagkraft seiner Atomraketen prahlt, ist ein bisschen wie Kartoffelchips essen. Es wird einem garantiert schlecht, aber man kann doch nicht aufhören. Und es stellt sich stets die Frage: Wie ist der Mann nur ins Oval Office gekommen? Und warum ist er immer noch da? Vermag ihm kein Skandal zu schaden, keine Blamage etwas anzuhaben?"
Der NZZ Artikel Triumph der Albernheit von Bernhard Pörksen


#ungebunden -  17. Oktober 2018

"Die Debatte um Neue Klassenpolitik ist noch jung und trotzdem ist die Neue Klassenpolitik schon ein stehender Begriff - ein Sammelbecken voller Hoffnungen, Romantizismen, Projektionen und Missverständnisse. Für die einen ist es ein Begriff voller Verheißungen: Klassenkämpfe, Stärke, Bündnisse, Geschichte und Zukunft, Streiks - und das Ende des Kapitalismus. Andere hören: weiße, männliche Arbeiter, Geschichtsklitterung, Hauptwiderspruch."
Ein Artikel von Nina Scholz in AK Ausgabe 642 vom 16.10.18 mit dem Titel "Neue Klassenpolitiken"


#ungebunden - 14. Oktober 2018

Aufstand gegen Rechts titelt Philip Blees seinen Artikel in Neues Deutschland am 13.10.18.
"Die Menschenmenge, die an diesem Samstag auf den Straßen unterwegs ist, ist enorm. Als die ersten Demonstranten rund zwei Stunden nach Beginn den Platz der Abschlusskundgebung direkt an der Siegessäule erreichen, sind am fünf Kilometer entfernten Alexanderplatz immer noch nicht alle Lautsprecherwagen losgefahren. Die breiten Straßen sind voll. Der gemeinsame Nenner ist klar: Man ist hier auf der Straße für eine offene und freie Gesellschaft und möchte diese gegen den Angriff von rechts verteidigen."


#ungebunden - 11. Oktober 2018

„Längst befindet sich der in Auflösung begriffene Kapitalismus in einem Übergangsstadium zu etwas anderem; und nur weil uns die Ideologie so fest im Griff hat, sind wir nicht in der Lage, diese schleichende Transformation wahrzunehmen.“
Ein Gastbeitrag von Slavoj Žižek in Zeit online von 8.Mai 2018 mit dem Titel "Wie ein Dieb am helllichten Tag"

 

#ungebunden - 5. Oktober 2018

Ein Augenzeugenbericht aus Hambach von Martin Eikchoff. 
"Das reale Geschehen hier spielt sich fern der Propaganda von RWE und Polizei ab, die sich wahrscheinlich vorstellen, den ganzen Tag würden wir nur Molotowcocktails bauen und Straftaten begehen."
Positive Erfahrungen von kollektivem und solidarischen Handeln sollten verbreitet werden.

 

 

#ungebunden - 2. Oktober 2018

Gespräch mit Jutta Weber, Professorin für Mediensoziologie, Philosophin und Medientheoretikerin auf Republik.ch mit dem Titel "Nerds retten die Welt". Jutta Weber forscht zu Technik- und Medientheorie, Wissenschafts- und Technikforschung, Cultural Media Studies Surveillance, Military and Critical Security Studies, feministischer Theorie, Medien und Alltagskultur, Technik und Gender.



#ungebunden - 29. September 2018

Ganzseitiger Artikel in der heutigen NZZ von Slavoj Žižek.
„Die gefährlichste Bedrohung der Freiheit rührt nicht von einer offen autoritären Macht. Sie ergibt sich, wenn Unfreiheit als Freiheit wahrgenommen wird. Seit Permis­sivität und Wahlfreiheit zu höchsten Gütern erhoben wurden, treten soziale Kontrolle und Herrschaftsausübung nicht länger als Einschränkung der individuellen Freiheit auf. Vielmehr erscheinen sie als kompatibel mit der Selbstwahrnehmung des Menschen als eines freien Wesens, Selbstversklavung wird zum Ziel der eigenen Entscheidung.“



#ungebunden - 21. September 2018

In der Schweiz gab es vor 40 Jahren ein sehr interessantes Medienprojekt: Über ein Jahr erschien als Tageszeitung die „TAT“ und erreichte täglich 230‘000 Leser. Da die TAT in ihrer Berichterstattung keine Rücksicht auf die Interessen der Wirtschaft nahm («Wir scheuten uns nicht vor klaren Positionsbezügen»), schaltete kaum ein Unternehmen Inserate und es resultierte ein Defizit von 12 Millionen Franken. Die Migros als Herausgeber wollte daher das Experiment in dieser Form abwürgen, was zum Streik führte.

Das Schweizer Onlinemagazin “Republik“ rollt dieses bemerkenswerte Stück Mediengeschichte heute auf. Ich habe die TAT damals regelmässig gelesen. Es war sicher kein sozialistisches Blatt. Aber die Ausrichtung war klar: «Ihr Monopolisten. Ihr Profiteure. Ihr Spekulanten. Ihr Scharlatane. Ihr Bauernfänger. In der ‹TAT› werden wir Euch auf frischer Tat ertappen.» Dass die TAT eine derart hohe Reichweite erzielte, lag auch daran, dass die Texte für jedermann verständlich geschrieben waren und nicht in einer abgehobenen und schwer zugänglichen elitären Sprache, wie sie leider in vielen radikaleren linken Publikationen zu finden waren und sind. In diesem Sinne ist die Geschichte der TAT auch ein Lehrstück, wie ein sehr gesellschaftskritisches Medium durchaus ein Massenpublikum erreichen kann.


[Hermes]


#ungebunden - 20. September 2018

Ein grundsätzlicher analytischer Text zur herrschenden Demokratie und der Parlamentarismusfrage von Raul Zelik, der vor drei Jahren in der WoZ erscheinen ist und nach wie vor für die radikale Linke aktuell ist: Kann die bürgerliche Demokratie überhaupt ein Instrument zur Selbstregierung der Vielen sein oder ist sie per se ein Vehikel der herrschenden Klasse? Sind Kapitalismus und bürgerliche Demokratie notwendigerweise miteinander verbunden? Wer ist „das Volk“? Diese und andere Fragen werden in der Essayreihe „Im Multiversum des Kapitals“ abgehandelt. Unbedingt lesen!

[Hermes]



#ungebunden - 19. September 2018

Heute Morgen streikt die Belegschaft wieder bei #HalbergGuss. Dazu ein aktuelles Interview von Raul Zelik mit Michael Knopp von der @IGMetall Saarbrücken zum Konflikt, Organizing, Streik und den Kampf gegen rechts (aus @analysekritik).

[Hermes]



#ungebunden - 15. September 2018

Vor genau zehn Jahren räumten die Angestellten von Lehman Brothers unfreiwillig ihre Schreibtische. Die Insolvenz der amerikanischen Investmentbank schickte Schockwellen durch das Finanzsystem.
«Sozialismus für Banker, Austerität für die Massen und der unaufhaltsame Aufstieg der nationalistischen Internationalen. (. . .) Der neoliberale populistische Mythos (. . .) ist am Ende», schreibt Varoufakis im Magazin «der Freitag».


[Hermes]


#ungebunden - 14. September 2018

Auf ada wurde ein Text mit dem Titel „Ist Sozialismus...?“ veröffentlicht. Irgendwie war mir der Text etwas suspekt. Nach nochmaligem genaueren Lesen wurde mir auch klar, was mich konkret stört - er kommt etwas sehr belehrend und psychologisierend daher. Und in einer etwas sehr vereinfachenden Art, so á la „Sozialismus für Dummies“. Doch grundsätzlich ist der Text lesenswert und darum okay.

[Hermes]



#ungebunden - 13. September 2018

„Mit Marx und Trash gegen den herrschenden Irrsinn“, so der Titel eines Artikels in der linken Schweizer Wochenzeitung WoZ.
Elemente des «Jacobin»-Buchcovers
Vorgestellt wird das erfolgreiche amerikanische Magazin „Jacobin“, welches für eine aufstrebende Linke in den USA steht, die mehr sein will als bloss liberal: Sie will den Kapitalismus nicht nur sanft reformieren, sondern ganz überwinden. «Wir wollen die Linke zurück zu einem traditionelleren Fokus auf die Klassenpolitik führen», erklärt der Gründer Bhaskar Sunkara das Ziel von «Jacobin». Dazu gehöre auch, sie von der Wichtigkeit von Massenorganisationen wie Parteien und Gewerkschaften zu überzeugen. Es scheint, dass „Jacobin“ in den USA den Sozialismus wieder cool machen könnte und eine nötige Rückbesinnung auf den Klassenkampf endlich stattfinden könnte. Ein zentrales Thema, das leider auch in Katalonien bis jetzt noch nicht im Vordergrund steht, sieht man von der CUP ab, die eine klare antikapitalistische Position vertritt.

[Hermes]



#ungebunden - 12. September 2018

Am 10. September stellt Klasse gegen Klasse im Artikel "200.000 Studierende gegen Schlägertrupps: Schlacht um Mexikos Universitäten" die Frage: Entsteht eine neue Studierendenbewegung in Mexiko?

Joss und Claudio sind Studierende an der UNAM in Mexiko-Stadt. Sie gehörten zu den 200.000 Menschen, die gegen die Angriffe der „Porros“ auf die Straße gegangen sind– "Porros" sind angeheuerte Schläger, die von der Universität bezahlt werden.
Das spanische Wort "porra“ kann mit "Jubel“ übersetzt werden. Wer sich nun an die "Jubelperser" anlässlich des Besuch des Schahs von Persien Mohammad Reza Pahlavi und seiner Frau Farah Pahlavi am 2. Juni 1967 in West-Berlin erinnet, liegt nicht ganz falsch.
Am 3. September 2018 gingen Porros, gemeinsam mit Sicherheitskräften der Universität, mit Molotow-Cocktails, Böller, zerbrochene Flaschen, Bambus-Stöcke, Plastikrohre und Messer gegen DemonstratInnen vor.
Mexikos künftiger Präsident Andrés Manuel López Obrador, der am 1. Dezember sein Amt antreten wird, sagte: "Ich stehe auf der Seite der jungen Menschen, die sich gegen die illegalen und abscheulichen Aktionen zu Wehr setzen." Er fügt hinzu: "Aber dies ist eine Sache, die die Studenten und die Universitätsleitung regeln müssen, da wir als Staat die universitäre Autonomie zu respektieren haben." Als autonome Universität unterliegt die Unam einer eigenen Jurisdiktion und staatliche Sicherheitskräfte haben kein Zutrittsrecht auf das Gelände der Hochschule. Universitäten als staatsrechtsfreier Raum, dies ist mehr als bedenklich.
Also "Andere Länder, andere Sitten?". Rechtlich scheint es so. Oder doch nicht? Denn es stellt sich die Frage, weshalb Obrador die Vorgehensweise als "illegal" beurteilt.
Auch die Haltung und das Agieren des spanischen Zentralstaates in Katalonien oder die Positionierung des Verfassungsschutzes und das Nicht-Agieren der Polizei in Chemnitz zeigen, dass Autoritäten es sich gerne sehr leicht machen, sich gerne zurückziehen, wenn es darum geht, dass Menschenrechte auch mit vorhandem Recht in Einklang zu bringen sind.

[k]


#ungebunden - 11. September 2018


In Deutschland wird die neue Sammlungsbewegung #aufstehen rund um Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine berechtigterweise kontrovers diskutiert. Auch in Italien wird gesammelt, laut junge Welt gibt es ein "Aufstehen auf italienisch"

Während in Deutschland zuerst eine Internetplattform mit niederschwelliger Information und der Möglichkeit des "Mitmachens" in Form einer E-Mailadressen-Eingabe wie von Newsletter bekannt angeboten wurde - die Veröffentlichung von Grundsätzen zu einem späteren Zeitpunkt stattfand - haben sich die italienischen GenossInnen am 9. September 2018 in Rom in der realen Welt getroffen.

Es scheint, dass die italienische Linke auf Grund der Namensgebung der Veranstaltung »Patria e Costituzione« (Vaterland und Verfassung) mit dem Ziel der Gründung eines Vereins »Sinistra di Popolo« (Volkslinke) weniger Schwierigkeiten mit in Deutschland als kritisch betrachteten Begrifflichkeiten hat. Die neue italienische Volkslinke will an eine antifschistische Tradition anknüpfen, politisch klarer positioniert als dies bisher aus dem Umfeld von Team Sahra zu #aufstehen zu hören war. Ferner wollen die AktivistInnen Themen wie Patriotismus und Souveränität gegenüber der EU in den Mittelpunkt stellen wollen, Schwerpunkte die für deutsche LeserInnen mit der aktuellen bundesdeutschen Betrachtungsweise möglicherweise eher auf ein AFD-ähnliches Projekt schliessen lassen.
Zum Schluss gab es noch eine Botschaft von Sahra Wagenknecht - sie war jedoch nicht selbst anwesend sondern nutzte ein Video.

Wenn in Deutschland die Sammlungbewegung rund um die brynhildenhafte Wagenknecht teilweise als Spaltungsversuch der Partei DIE LINKE angesehen wird, darf mensch gespannt sein, wohin sich diese italienische Bewegung entwickeln wird.

[k]


#ungebunden - 10. September 2018

Der Schweizer Altbundesrat und Nazifreund Musy liess vor 80 Jahren den antikommunistischen Hetzfilm „Die Rote Pest“ produzieren. Auch in Spanien (wo Musy höchstpersönlich General Franco eine Filmrolle überreichte) fanden Vorführungen dieses üblen Propagandawerkes statt.

Ein ausführlicher Rückblick in der heutigen NZZ. 

 

Ich habe den Film als Jugendlicher in den 70er Jahren gesehen und er war so unglaublich plump und krass primitiv, dass er auf mich wie eine Realsatire wirkte und jegliche Glaubwürdigkeit der Propaganda von vornherein ad absurdum geführt wurde. Ich kann nicht genau beurteilen, wie der Film diesbezüglich 1938 auf Menschen wirkte. Aber bei mir in den 70ern erzeugt der Film eher ungläubige und kopfschüttelnde Lacheffekte.

Vielleicht eine ähnliche Wirkung der Absurdität, wie damals von Klaus Staeck mit seinen provokativen systemkritischen Plakaten, dort aber bewusst beabsichtigt, indem er erzreaktionäre Propaganda massiv als Stilmittel überhöhte, z.B. mit dem Poster „Deutsche Arbeiter, die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen“.

[Hermes]

 

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